Politiker Stopp

Eat Pray Love – Essen, Beten, Jammern

Published on 23.09.2010 by Zelot
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“Suppe, Seife, Seelenheil”, hieß es noch bei der Heilsarmee, und “Eat Pray Love” verspricht im Grunde nichts anderes: harmlos banale Wellness-Philosophie für Leserinnen, denen die “Brigitte” zu hoch ist. Das einzig Gute an diesem Film ist, dass hier die Hauptfigur mal ausnahmsweise keinen apple und kein iPhone besitzt, sondern einen Sony Vaio. Ansonsten ist dies ein Film für Frauen, die Lockerungsübungen gegen Schlankheitswahn und Schuldgefühle nötig haben, und die sich ernsthaft mit einer hysterischen frustrierten reichen überkandidelten nervigen uninteressanten Zicke identifizieren wollen.

Vielleicht sollte man beim Verleih noch mal über den Titel nachdenken. “Eat Pray Fuck”, “Eat Pray Vomit”, “Eat Pray Shit” wären allesamt angemessener.

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Telepolis knews: Essen, Beten, Jammern

Suchsland schlägt wieder zu – Dresden: Geschichtsrevisionismus im ZDF

Published on 07.03.2006 by Zelot
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Die wahren Kriegsopfer, erfahren wir da, sind eben die Deutschen, und Nazis gab es in Dresden eigentlich auch kaum. Und ganz sachte löst Dresden Auschwitz als symbolisches Erinnerungszentrum an die deutsche Geschichte ab.

Eine friedliche Stadt mit vielen Flüchtlingen, kaum Soldaten, mit ein paar Hakenkreuzfahnen, aber ohne Nazis. Außer drei, vier finster dreinschauenden blonden Burschen mit blitzblanker brauner Uniform. Als der erste von ihnen einmal durchs Bild marschiert, dauert der Film immerhin schon eine halbe Stunde.

Auf dem symbolischen Terrain werden zur Zeit die Gedenkstätten umgegraben. Von Auschwitz verlagert sich der Blick nach Dresden: Während im einen Ort Täter und Schuld zwangsläufig dominieren, ist Dresden ein Ort der unschuldigen Opfer. Endlich dürfen Deutsche hier vermeintlich Kollateralschäden sein und nicht Täter, die die gerecht Strafe ereilt. “Dresden” wird so zur Metapher der Relativierung.

Und zur Metapher der neuen deutschen Niedlichkeit: Denn der Film endet mit einem letzten Dokumentarstück. Man sieht die wiederaufgebaute Frauenkirche, man sieht Menschen, die die Einweihungsfeier besuchen, man hört den deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler: “Nie wieder Krieg!”

Dies ist sie also, die Lehre aus Dresden. Undifferenziert, verkürzt und banal ist eine solche Aussage angesichts der tatsächlichen Herausforderungen, unterkomplex, wenn das die Lehre aus Dresden sein soll. Ist es denn nicht auch die Lehre aus Auschwitz, dass man in bestimmten Situationen eben einen Krieg führen muss? Der Satz “Nie wieder Krieg!” in diesem Zusammenhang – ein Verteidigungskrieg gegen eine angreifende Diktatur – desavouiert die Anstrengungen der Anti-Hitler-Koalition, um die Nazi-Barbarei zu beenden.

Die Lehren aus Dresden:

Nie wieder Unterdrückung und Verfolgung.
Nie wieder Totalitarismus.
Nie wieder Faschismus.
Nie wieder Nationalismus.
Nie wieder Obrigkeitshörigkeit.
Nie wieder Unfreiheit.

Immer wieder Krieg gegen Nazideutschland!

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TP: Herz-Schmerz-Kriegsdrama
Dresdens Bedeutung im Krieg

Suchsland schlägt wieder zu – Die Kreuzritter von Narnia

Published on 04.03.2006 by Zelot
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Bibel und Business gehen Hand in Hand: Mit Disney’s Kriegskitschfantasy “Der König von Narnia”, setzt Amerikas Christliche Rechte pünktlich vor Weihnachten zu ihrem neuesten Kreuzzug an. Das Sündenbabel Hollywood soll geschliffen, die USA und der Rest der Welt mit militanter Sanftheit zum wahren Glauben bekehrt werden. Denn noch deutlicher als der dumpf-reaktionäre “Herr der Ringe” und der postmoderne “Harry Potter” verkündet “Narnia” eine Message. Und nebenbei lässt sich mit der Verfilmung des Kinderbuchs von Margaret Thatchers Lieblingsautor C.S. Lewis (1898-1963) auch noch kräftig Geld scheffeln.

Mit dem “Narnia”-Projekt steht die “Anschutz Film Group” an der Spitze des Kreuzzuges der christlichen Fundamentalisten im Kulturkampf gegen alles, was ihnen “liberal” scheint – wozu auch weite Kreise der konservativen Medien gehören. Ihre neueste Waffe ist globales Entertainment, das idealisiert und verklärt, eine Welt zeigt, die christlich durchwirkt ist, und so etwas wie eine zukünftige globale Leitkultur skizziert.

Das Bemerkenswerteste an diesem ideologischen Projekt ist aber etwas anderes: Die Tatsache, dass auch dieses der Dialektik der Aufklärung nicht ausweichen kann. So mies jeder Liberalismus gemacht wird, so sehr feiert man den Kapitalismus, so sehr man das sinnleere Blockbuster-Teenie-Mainstreamkino verachtet, so klar setzt man ihm ein sinnhaltiges Blockbuster-Teenie-Mainstreamkino entgegen.

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TP: Die Kreuzritter von Narnia

Suchsland schlägt wieder zu – Tal der Wölfe – Irak

Published on 02.03.2006 by Zelot
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Warum dürfen Türken eigentlich keine schlechten Filme machen? Und seit wann sind Dummheit und schlechter Geschmack in Deutschland verboten?

Tatsächlich steckt hinter der ganzen Aufregung aber ein tieferer Konflikt: “Tal der Wölfe – Irak” trifft ins Herz einer westlichen Gesellschaft, in der die Angst regiert, und illustriert eine erschreckende Unsicherheit.

Es kann also kein Zweifel sein: Der Film ist einseitig, er zeigt ein antiamerikanisches Zerrbild, man darf ihn stilistisch als übles Machwerk bezeichnen. Ästhetisch dominiert wird alles von den Stereotypen des Actionfilms: Explosionen, Schießereien. Und darin ist das vermeintlich antiamerikanische Manifest dann ein sehr amerikanischer Film, der das übliche Gut-Böse-Schema Hollywoods übernimmt und in “Rambo”-Manier fortsetzt. Nur werden diese stilistischen Mittel gegen die Amerikaner gewendet. Das ist legitim, denn diese Mittel gehören schließlich nicht den USA.

Zudem ist “Tal der Wölfe” viel komplexer, als man auf den ersten Blick annimmt: Eine bittere Studie über Freundschaft und Versöhnung, die oszilliert zwischen Pathos und nacktem Zynismus, das von Provokation und Zweifel geprägt ist. Schließlich wird hier, auch wenn dies kein Fall jenes Kunstkinos ist, das man hier normalerweise zeigt, unglaublich viel geredet und deklamiert, schließlich ist eine Hauptfigur des Films ein Priester und Sufi-Meister, der einen ganz anderen friedfertigen Islam repräsentiert, sich der Botschaft des Films widersetzt, gegen Selbstmordattentäter wettert, gegen Heilige Kriege (“Wer einen Unschuldigen tötet, der hat die ganze Menschheit getötet.”) und für Versöhnung.

Abu Ghraib ist kein perverser Regieeinfall eines durchgeknallten Filmemachers

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TP: Von einer Gesellschaft, die auszog, das Gruseln zu lernen

Suchsland schlägt wieder zu

Published on 08.02.2006 by Zelot
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Rüdiger Suchsland ist einer meiner Lieblingsautoren bei Telepolis (Mittelerde ist ein geistiges Ground Zero, Die Wahrheit über “Der Herr Der Ringe – Die Rückkehr des Königs”).
Zu seinem Repertoire gehören aber nicht nur Filmkritiken, sondern auch Analysen von aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen mit ihrem historischen Hintergrund und Kritik an der Medienlandschaft, die der in Essays auf Telepolis veröffentlicht.
Hier eine kleine Auswahl.

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TP: Die gelbe Gefahr
TP: Die Selbstzerstörung der Christenheit
TP: “Süßstoff-Offensive”