Politiker Stopp

2002 – 07: Stadtschloss

Unwort des Monats Juli: Stadtschloss

Der Bundestag hatte am Anfang des Monats beschlossen, dass Berliner Stadtschloss, mit historischer Fassade, wieder aufzubauen.

Während in allen anderen europäischen Ländern versucht wird, die Städte vom Mief der Geschichte zu befreien, und die Städte nicht zu historischen freilicht Musen zu degradieren, sondern sie zu modernen urbanen Lebensräumen zu entwickeln, wird in Deutschland genau das Gegenteil gemacht, was sonst.
Das ist mehr als eine Absage an moderne Architektur, dass ist eine Absage an die Moderne im Ganzen, die die rückwärtsgewandte Geisteshaltung der deutschen Politiker zum Ausdruck bring.

Bundespräsident Thierse sagt, es gibt in Berlin bereits genug moderne Architektur und man bräuchte auch was etwas historisches.

Ich sage, es gibt in Berlin keine moderne Architektur.

Es gibt nur zeitgenössische Architektur, alles sehr konventionell und spießig und damit meine ich auch und vor allem den neuen, ach so modernen, Potsdamer Platz mit dem Sony Center.

Es gibt in Berlin nichts, was Architektonisch ähnlich bedeutend oder Richtungweisend wäre, wie z.B. die Oper in Sydney, das Guggenheim Museum in Bilbao.
Einzige Ausnahme ist die Kuppel des Reichsaffenhauses mit der Speerspitze, von der ich mir jedes Mal wenn ich sie sehen wünschen, dass sie nach unten fallen würde und die Dummheit unter sich begraben würde.